Nachdenkliches

Es geht um Menschen, die gehen auf diese Party, sie suchen dort nach anderen Menschen, sie wollen nicht alleine sein. Sie suchen nach Nähe und sie sind euphorisch, weil sie glauben, dass auf dieser Party endlich einmal klappen wird, weil sie glauben, dass auf einer solchen Party eigentlich nichts schief gehen kann, weil sie glauben, dass auf einer solchen Party niemand alleine sein kann. Sie stürzen sich auf die Tanzfläche, sie lachen laut und schrill und sie trinken Alkohol, weil sie glauben, mit Alkohol sei das Leben einfacher. Sie versuchen ihre Gedanken, ihre Überlegungen zu vergessen und sie versuchen auch, ihre alten Gewohnheiten über Bord zu werfen, weil sie genau wissen, dass sie mit ebendiesen Gewohnheiten immer alleine bleiben werden. Und sie glauben, dass diese Party ihre letzte Chance ist, der Einsamkeit zu entfliehen.
Aber mit der Zeit wird die Musik langsamer und sie sehen die Menschen, die nicht alleine sind, sich zurückziehen. Sie merken, dass sie wieder den ganzen Abend alleine getanzt haben, dass sie wieder den ganzen Abend niemanden kennengelernt haben. Ernüchtert setzten sie sich in eine Ecke, haben eine Flasche Bier vor sich stehen und rauchen eine Zigarette. Sie starren in das Kerzenlicht vor ihnen auf dem Tisch und versinken wieder in Gedanken. Wie durch eine Mauer hören sie das Lachen der anderen, derjenigen, die nicht alleine sind. Oder vielleicht sind sie es doch?
So nimmt die Frustration wieder überhand, sie suchen Gründe, wieso sie einfach nicht fähig zu einem sozialen Lebend sind, so wie es doch die anderen alle sind. Sie suchen Gründe, fragen sich, ob vielleicht schon in der Kindheit etwas falsch gelaufen ist, aber sie kommen einfach nicht darauf. Und selbst wenn sie Ansätze finden, verwerfen sie sie gleich wieder, denn sie haben gelernt, dass die Selbstanalyse immer nur zu noch mehr Frustration führt. Und so brennt die Kerze nieder und als es dunkel wird, treten sie hinaus in das kalte Licht des Morgens. Sie schauen zurück auf die verlorene Schlacht, atmen tief die frische Luft ein, zünden sich noch eine letzte Zigarette an und gehen nach Hause, mit dem Versprechen, sich nie mehr einer solchen Party auszusetzen, mit dem Versprechen, sich endlich so zu akzeptieren, wie sie sind. Und so sagen sie goodbye zu ihren Hoffnungen und Träumen und nehmen sich vor, ihr Leben in Zukunft so zu führen, wie es ihnen nun mal gegeben ist.

(Genau das sind meine Empfindungen zu Meds, so wie ich sie jedes Mal habe, wenn ich diese CD höre. Und manchmal, wenn ich es zulasse, denke ich, dass dies wohl der Grund ist, wieso ich dieses Album so in mich aufsauge, weil ich nämlich manchmal selbst zu diesen "Sie's" gehöre. Und in diesen 'manchmals' nimmt Brian mir die Einsamkeit.)

6.8.06 14:53, kommentieren